18. April 2011

Hmmmm….

Posted in alltäglicher Wahnsinn, spezieller Wahnsinn tagged , , , um 10:42 von psychodoctrix

Einen wunderschönen guten Morgen in die Bloggergemeinde da draußen!

Ich weiß, ich bin faul chronisch überbeschäftigt, deshalb im Moment eher gelegentliche Einträge. Aktuell beschäftigt mich vor allem das Thema mit der „Anonymität“ des Bloggens. Ich war fleißige Leserin bei Josephine, der Heldin, und war ziemlich traurig, dass sie ihr Blog gelöscht hat und anscheinend auch nicht mehr zurückkehren möchte – ihre Schreibe war einfach nur klasse und so plastisch, dass ich (Gyn war mein „Hassfach“) anfing, die Gyn zu mögen….
Ich habe mich bei der Erstellung dieses Blogs damals darauf eingerichtet, relativ anonym zu bleiben. Als Arzt unterliegt man ja ohnehin der Schweigepflicht, es ist schwierig (zumindest für mich), so zu schreiben, dass man Krankheitsbilder plastisch erklären kann, ohne doch „patientenbezogene“ Daten hin und wieder mit einfließen zu lassen (keine Soap kann so heftige Geschichten schreiben, wie das, was man teilweise zu sehen bekommt). Für mich war und ist immer ein Anliegen gewesen, den Menschen die Angst vor der Psychiatrie zu nehmen. Auch mit psychiatrischen Krankheitsbildern kann man wunderbar leben und auch im Alltag zurecht kommen, auch „Irre“ sind Menschen wie Du und ich, es kommt immer nur auf den Umgang mit der eigenen Erkrankung an. Hierbei ist es meiner Meinung nach unerheblich, ob es sich um eine körperliche oder eine seelische Erkrankung handelt. Der Diabetiker, der nicht auf seine Werte achtet, hat mit einem ganzen Haufen Spätfolgen zu leben und wird sein Leben sicherlich dadurch tendenziell eher verkürzen. Auch der Epileptiker, der Medikamente nicht einnimmt und nicht auf eine seiner Krankheit entsprechende Lebensführung achtet, tut sich keinen Gefallen.

Ähnlich ist es bei dem Psychotiker oder dem Depressiven, der ebenfalls sehr genau darauf achten muss, wie er mit seiner Erkrankung umgeht und sich im Klaren darüber sein, dass er krank ist. Im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen, die man evtl. sogar noch „sieht“, ist es bei den psychischen Erkrankungen (egal ob im Kindes- und Jugend- oder im Erwachsenenalter) häufig so, dass Erkrankte, wenn sie sich nicht gerade in einer Akutphase befinden, zunächst völlig unauffällig sind. Psychisch kranke haben häufig sehr lange ein sehr hohes „Funktionsniveau“. Sie wissen, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber es ist zunächst auch für die Betroffenen meistens nichts „greifbares“. Sie fühlen sich komisch, teilweise nicht in diese Welt gehörig, haben das Gefühl, dass die Realität „verrückt“ ist und sie selber nicht mehr hineinpassen – so erklärt bekommen von schizophrenen Patienten. Oder sie können die Farbigkeit und die Schönheit des Lebens nicht mehr wahrnehmen, ohne tatsächlich traurig zu sein – gar nicht selten zu finden in der Anfangsphase einer Depression. Da „man“ ja so nicht fühlt und auch gar keinen Anlass dazu hat, bemühen sich psychisch Kranke darum, in ihrem Umfeld angepasst zu bleiben. Im unmittelbaren sozialen Umfeld, also Familie und Freundeskreis, wird häufig eher bemerkt, dass etwas „nicht in Ordnung“ ist. Die Betroffenen ziehen sich zurück, kommen nicht mehr gut aus dem Bett, schaffen es nicht mehr ihren Alltag zu erledigen (depressiv). Oder sie werden „skurril“, fangen an, alles zu hinterfragen, benehmen sich einfach „merkwürdig“ und nicht mehr nachvollziehbar, ziehen sich letztlich aber auch häufig zurück (schizophren). Wenn das Umfeld nachhakt, wird ein sich-anders-fühlen meistens erstmal abgestritten (siehe „es kann nicht sein, was nicht sein darf“). Im Arbeitsumfeld können psychisch Kranke länger funktionieren, da dort häufig keine so engen Bindungen mit den entsprechenden Feinfühligkeiten im Hinblick auf Veränderungen bestehen. Andererseits werden dort Veränderungen dann eher auf anderes geschoben, denn wer würde schon nachfragen, ob sein Kollege Dinge sieht, die andere nicht sehen, oder sich verfolgt fühlt? Von den ersten Warnzeichen bis zur Diagnosestellung vergeht häufig viel Zeit. Die meisten psychisch Kranken kommen erst, wenn sie ihre eigene Existenz (sei es emotional oder eben auch wirklich im Sinne eines Arbeitsplatzverlustes oder ähnlichem) gefährden. Auch dann kommen diese Patienten nicht selten „fremdmotiviert“ und nicht unbedingt aus eigenem Antrieb. Eine Behandlung ist schwierig, wenn der Patient nicht mitspielt, dann funktionieren weder therapeutische noch medikamentöse Interventionen. Leider ist auch der Aufenthalt in einer Psychiatrie immer noch mit einem Stigma belegt, so dass sich die Erkrankten auch nicht trauen, ihre Erkrankung gegenüber ihrem Umfeld zu erklären und zu beschreiben, was los ist. Letztlich sind tatsächlich psychiatrische Erkrankungen eigentlich gut behandelbar, gerade wenn der Patient sich damit auseinandersetzt und mitmacht. Aber wer will schon „verrückt“ sein?

Brückenschlag zur Anonymität im Internet….. Ich bin selber auch „verrückt“. Ich bin endogen depressiv, also gedrückter Stimmungslage ohne erkennbaren äußeren Auslöser, und dies schon seit Jahren. Wer mich nur flüchtig kennt, käme nie auf die Idee, dass gerade ich depressiv bin. Ich bin eigentlich ein sehr positiver, lebensbejahender Mensch. Ich bin, wenn es mir gut geht, ein kleines Energiebündel, ähnlich einem Duracellhäschen. Ich habe viele Ideen, ich setze auch vieles um, ich kann die Menschen um mich herum motivieren und mitziehen. Wenn ich wieder in die Depression abrutsche, werde ich im Privatleben zunehmend weniger aushaltbar. Ich ziehe mich zurück. Wenn ich von der Arbeit komme, ist die Couch „mir“, häufig schlafe ich bereits nachmittags ein. Dafür schlafe ich dann nachts nicht gut, werde teilweise schon morgens gegen 4h wieder wach und fühle mich, als hätte ich gar nicht geschlafen. Mein Umfeld leidet, ich selber auch. Ich werde ungerecht, kann mich selber nicht mehr leiden. Ich schaffe es nicht mehr, die Zeit mit meinem Kind qualitativ gut zu verbringen, ich reagiere hoch sensibel auf ihre Ansprüche. Im Arbeitsumfeld funktioniere ich besser. Ich werde etwas langsamer im Arbeiten, nehme Patientenbelange teilweise noch etwas sensibler wahr, aber alles bekommt auch durch meine eigene Stimmungslage eine „Färbung“, die manchmal da nicht hingehört.

Meine Depression rührt daher, dass mein Botenstoffhaushalt im Gehirn nicht so funktioniert, wie er funktionieren sollte. Mein Gehirn reagiert ausgesprochen sensibel auf Enttäuschungen, dann werden bestimmte Botenstoffe nicht mehr in ausreichender Menge nachgebildet, so dass es zu einem „Mangel“ kommt. Um diesem Mangel entgegen zu wirken, nehme ich Medikamente, die zwar die Nachbildung der Botenstoffe nicht beschleunigt, aber ihre „Wiederaufnahme“ verlangsamt, so dass ich mehr dieses einen speziellen Botenstoffs über einen längeren Zeitraum verfügbar habe. Ich habe lange gedacht, dass meine Depression von außen, also exogen, ausgelöst ist (meine Lebensgeschichte würde auch das hergeben), aber bei genauerem Hinschauen habe ich festgestellt, dass eigentlich gerade bei den Frauen in meiner Familie die Depression quasi fast schon dazugehört, es gibt also eine familiäre Häufung und eine genetische Komponente. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, meine Erkrankung in meinem Umfeld offen zu kommunizieren – ich fand es einfach „unfair“, dass meine Kollegen unter meinen teilweise nicht gut einschätzbaren Stimmungsschwankungen zu leiden hatten, mein familiäres Umfeld weiß ohnehin Bescheid. Das, wovor die meisten psychisch Kranken viel Angst haben (mich eingeschlossen) ist nicht passiert: ich wurde nicht komisch beäugt, es hat mich keiner ausgeschlossen. Im Gegenteil, einige meiner Kollegen waren erleichtert, dass es „nur“ die Depression ist, denn damit kann man umgehen, manchmal ist der Umgang damit einfacher, als der Umgang mit schweren Schicksalsschlägen…… Ich bin auch dazu übergegangen, teilweise Patienten gegenüber offen mit meiner Erkrankung umzugehen. Hier ist es sicherlich schwieriger, ich überlege mir auch gut, wem gegenüber ich Hinweise gebe, aber gerade den eigentlich pfiffigen Patienten gegenüber, die einfach Angst vor der Erkrankung haben, kann man teilweise vermitteln, dass man eben auch mit einer solchen Erkrankung einen durchaus anspruchsvollen Beruf ausüben kann, ohne dass man wesentliche Einschränkungen hat…..

Uff, nu isses doch mehr geworden. Ich habe fertig…..

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24. März 2011

Update

Posted in und sonst so? um 21:41 von psychodoctrix

Zuletzt hatte ich mich ja noch kurz zu Wort gemeldet, als der Amoklauf in Ansbach passierte…. Damals war ich schockiert, bin es auch heute noch im Hinblick auf das Geschehen, aber mittlerweile hat sich in meinem Leben einiges getan.

So bin ich z.B. mittlerweile nicht mehr in „meiner“ Tagesklinik eingesetzt, sondern war dann zwischenzeitlich auf unserer Drogenstation für die Jugendlichen…. Im Moment gehe ich nur noch zum Arztbriefe schreiben in die Klinik, aber dazu vielleicht mal später mehr 😉

Auf dem Weg zur Fachärztin bin ich eine ganze Ecke weiter, zur Zeit schlage ich mich parallel dazu mit meiner Zusatzqualifikation zur forensischen Kinder- und Jugendpsychiaterin herum. Um dem ein bißchen näher zu kommen, habe ich in den letzten 18 Monaten für eine Assistenzärztin verhältnismäßig viele Gutachten „gekloppt“ und festgestellt, dass das Strafrecht tatsächlich ein zusätzliches Steckenpferd ist….

Die beste Tochter der Welt ist mittlerweile 4 Jahre alt, geht seit über einem Jahr in den Kindergarten und bringt mich immer mal wieder dazu, über pädagogische Konzepte mal intensiver nachzudenken – wirklich glücklich bin ich mit dem Kindergarten nämlich nicht, aber auch dazu vielleicht wann anders später mehr…

Der weltbeste Ehemann ist mittlerweile nicht mehr Unterkurs und gerade angefangen mit der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, sondern fast schon Oberkurs und weiß auch mittlerweile ziemlich genau, was er mit seiner Ausbildung anfangen möchte…

Mit meinen eigenen Wehwehchen *zwinker mal zu Ulf* setze ich mich nochmal ne ganze Ecke bewußter auseinander und komme zu teilweise ganz erstaunlichen Erkenntnissen…

Ansonsten habe ich einige neue Leute kennengelernt, einige Leute endgültig aus meinem Leben „entfernt“ und fühle mich eigentlich zur Zeit bis auf eine dicke Nebenmhöhlenentzündung ganz wohl….

Huch, das war jetzt doch mehr, als ich dachte

22. März 2011

Wieder schreiben?

Posted in Uncategorized um 21:54 von psychodoctrix

Ich habe gerne gebloggt, wenn auch nur kurz…. Nun überlege ich, ob ich weiterblogge und wenn ja, in welcher Form. Ich habe fleißig weiter blogs gelesen, manche gehen sehen, manche meiner persönlichen Favoritenliste hinzugefügt….

Ich denke darüber nach, während die tollste Tochter der Welt mir gerade erzählt, dass Papa ihr heute Abend gaaaaaaaaaaaaaaaaaanz viel über Vulkane beigebracht hat…..

17. September 2009

Spachlos

Posted in spezieller Wahnsinn um 21:40 von psychodoctrix

Es gibt Dinge, die mich sprachlos machen. „Amoklauf in Ansbach“
Dort habe ich eine Weile gearbeitet, mein Verhältnis zu dieser Stadt ist zwar gespalten, aber das lässt selbst mich altes Lästermaul verstummen.

15. September 2009

Unitymedia?

Posted in und sonst so? um 21:22 von psychodoctrix

Mal ne Frage in eigener Sache: Schwiegervater pienzt rum, er kündigt jetzt alles (also Inet, TV und sowieso und überhaupt incl. Tageszeitung) weil er mit seinem alten Lap (gefühlte 195 Jahre alt und läuft noch auf Windoof ME) nicht klar kommt. Nu is Männe am gucken, ob evtl. Unitymedia 3P eine Option für uns wäre… Hat da irgendjemand schon Erfahrungen mit gemacht und kann uns sagen, ob das so funktioniert, wie die Betreiber versprechen? Schön wärs ja schon, wir wohnen aufm Dorf und kriegen DSL gerade knapp über Analogmodemgeschwindigkeit (jaja, wir sind die letzten im Knoten), aber ich bin bei sowas ja immer skeptisch….

7. September 2009

Auskotzen

Posted in alltäglicher Wahnsinn um 21:22 von psychodoctrix

Es gibt Tage, an denen man sich wünscht, besser nicht aufgestanden zu sein. Heute war einer davon. Ich hätte besser den Tag mit viel heißem Tee im Bett verbracht, dann wäre ich vielleicht einen Teil meiner Erkältung los und hätte mich nicht mit Lehrern rumschlagen müssen.

Die Lehrer, mit denen ich mich „rumschlage“, sind die Lehrer der Heimatschulen unserer Kiddies. Wir leben ja schließlich nicht im luftleeren Raum mit den Ulligen und befinden uns auch nicht im Tal der Ahnungslosen Glückseligen, sondern wir geben die Kinder ja auch an die Heimatschulen zurück.

Häufig haben wir es mit Lehrern von Sonder Förderschulen und Hauptschulen zu tun. Am häufigsten eigentlich mit Lehrern der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, also das was früher mal als Schule für „erziehungsschwierige“ Kinder bekannt war oder mit Hauptschullehrern, die mittlerweile eigentlich den gleichen Job machen, gelegentlich auch mal mit Lehrern der Förderschule mit dem Schwerpunkt „Lernen“ (also Klötzles-Schule), ganz selten mal mit Lehrern aus dem Bereich der Förderung geistig behinderter Kinder (also IQ unter Kellertreppe) und auch nicht wirklich häufig mit Lehrern aus dem gymnasialen Bereich. Am angenehmsten finde ich persönlich tatsächlich die Sonderschullehrer. Die wissen, dass ihre Kiddies schwierig sind, häufig Verhaltensauffälligkeiten vor allem im Sozialverhalten zeigen (auf gut Deutsch: die benehmen sich häufig wie offene Hose), haben aber gar nicht selten tatsächlich noch den Vorteil, dass die Klassen nicht ganz so groß sind. Die Hauptschullehrer tun mir leid. Die haben häufig eine ähnliche Klientel wie die Sonderschullehrer aus dem Bereich „E“ oder „LB“, haben aber viel größere Klassen und müssen trotzdem damit klar kommen. Am unangenehmsten in unserem Bereich finde ich Gymnasiallehrer. Wenn sie denn überhaupt kommen, dann bekommen wir häufig zu hören, dass wirklich pfiffige Kinder ja eigentlich auf die „E“-Schulen gehören, weil sie in der Klasse für Unruhe sorgen. Dann erklärt man, tut und macht, versucht zu verdeutlichen, dass da teilweise ne ganze Menge hintersteckt, was mit 2-3 klärenden Gesprächen auch aus der Welt geschafft werden könnte und bekommt zu hören, dass es ja so anstrengend ist, sich mit 27 Schülern zu beschäftigen, da könne man eigentlich keine Rücksicht auf den Einzelnen nehmen. Nun ja….

Ich kann mich daran erinnern, dass auch ich keine ganz einfache Schülerin war. So mitten in der Pubertät war ich unmöglich, benahm mich wie offene Hose oder war zwar körperlich anwesend, aber mehr auch nicht. Wir waren 130 Leute im Jahrgang. Trotzdem, und obwohl ich nicht die Einzige war, bei der es Probleme gab, waren meine Lehrer für mich ansprechbar und wenns gar nicht ging, dann gabs tatäschlich auch mal ein Gespräch bei der Direktorin, allerdings nicht um zu sanktionieren, sondern um zu klären, ob es einen Hilfebedarf gab. Klar, das kann man sicher nicht bei jedem Schüler machen, aber es sind auch nicht alle Schüler sooooooooooo schwierig, dass man immer direkt die große Kelle rausholen muss, oder?

Liebe Lehrer, ich weiß, dass ihr einen anstrengenden Job macht, ich weiß auch, dass man Schule heute nicht mehr mit Schule von vor 20 Jahren vergleichen kann, aber wenn die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, dann gehen Schüler auch nicht mehr gern zur Schule, egal, wie pfiffig sie sind. Und die meisten von denen, die wir in Behandlung haben, freuen sich so unglaublich über positive Rückmeldungen, dass sie für die Lehrer, von denen sie gelobt werden, auch durchs Feuer gehen würden….

Ich habe fertig.

6. September 2009

Geschützt: Heimatfest

Posted in Kinder, Kinder, und sonst so? um 21:28 von psychodoctrix

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5. September 2009

Top Suchen

Posted in und sonst so? um 12:00 von psychodoctrix

Ich auch, ich auch…. 🙂

untersuchte hoden einlauf – Hoden untersuchen klar, immer wieder, nicht unbedingt gerne, aber muss halt. Aber Einläufe, um Hoden zu untersuchen? Einläufe in Hodensäcke (wohlgemerkt, nicht in die Hoden selber) kenne ich nur aus einem anderen Kontext…

boxsack für schreibtisch preis – ich hätte auch lieber nur den Boxsack und keinen Schreibtisch, aber ich komme wohl um den Schreibtisch nicht herum….

bahnleiche september 2009 – nein, diesen Monat hatte ich noch keine direkten oder indirekten Patientenkontakte, bei denen es um Bahnleichen geht. Und ich bin ehrlich gesagt auch heilfroh drum, denn traumatisierten Zuschauern oder Angehörigen damit helfen zu wollen ist ein hartes Stück Arbeit und ich habe momentan auch an allen anderen Stellen genug zu tun.

30. August 2009

Too much

Posted in und sonst so? um 21:01 von psychodoctrix

Momentan komme ich nicht mehr dazu, zu schreiben. Mein Leben befindet sich aktuell auf der Überholspur, mir schwirren tausend Dinge im Kopf herum und ich muss mich organisieren. Eigentlich bin ich mehr als urlaubsreif, leider ist das aus technischen Gründen derzeit nicht drin. Schade eigentlich, unsere Bude würde mal wieder eine Grundreinigung vertragen und beim putzen komme ich fast in meditative Bewußtseinszustände – da könnte ich vielleicht einiges von dem inneren und äußeren Chaos wegarbeiten.

Obwohl ich eigentlich dazu auch nicht wirklich die Ruhe habe, werde ich wohl versuchen, in den nächsten Tagen wieder ein bißchen was zu schreiben – vielleicht sortiert sich ja auch dadurch einiges und ich werd auch versuchen, wieder ein bißchen was fachliches von mir zu geben oder zumindest mal wieder das eine oder andere Anekdötchen heraussuchen.

Versprochen.

11. August 2009

„ich komm ins irrenhaus“

Posted in alltäglicher Wahnsinn um 23:27 von psychodoctrix

ist einer der Begriffe der „Topsuchen“. Nein, ich komm da nicht hin, ich bin da schon. Macht ja nüscht, ist ja nett da.

Ja, bei uns in der TK isses nett. Wir haben wunderbar große Gemeinschaftsräume, zwei an der Zahl. Einen mit gemütlichen Kuschelsofas und einem großen Tisch für Gesellschaftsspiele und einen mit den Tischen, die für die gemeinsamen Mahlzeiten zusammengestellt werden können. Und damit die Kurzen auch ohne Rückenschaden nach TK-Aufenthalt vernünftig ihre Hausaufgaben machen können, haben wir auch ganz viele Stokke-Hochstühle. Und in beiden Räumen ganz viele Pflanzen, die von den Patienten versorgt werden.

Wir haben eine toll ausgestattete Küche, in der die Patienten durchaus auch selber kochen – nicht jeden Tag, aber wann immer es ins Konzept und ins Tagesprogramm oder ins Programm des einzelnen Patienten passt. Mit einem Backofen, der auf einer rückenschonenden Höhe angebracht ist. Neid, Neid, Neid. Und einer gut funktionierenden und eigentlich immer laufenden Kaffeemaschine, damit die Mitarbeiter auch hübsch wach bleiben.

Wir haben einen Toberaum, in dem die Bewegungsbausteine und Decken so griffbereit liegen, dass die Patienten damit Höhlen bauen können, sich einfach nur einkuscheln oder Parcours bauen, durch die sie hindurchtoben. Und unsere Ergotherapeutin und die Heilpädagogin können den Raum sogar auch nutzen, um dort Gruppen- oder Einzelaktivitäten anzubieten, egal, ob Entspannungsgruppen oder Aktivgruppen.

Wir haben ein Dienstzimmer, das ein bißchen an ein Aquarium erinnert – rundum verglast. Damit die Patienten sehen, was wir machen. Und damit wir sehen, was die Patienten machen. Und mit großen Fenstern zum Garten, damit wir auch da sehen, was die Patienten machen – und umgekehrt. Da ist es meistens ein bißchen chaotisch, aber das macht nix, bisher hat noch immer jeder alles wiedergefunden.

Wir haben ein Spielzimmer. Der absolute Traum eines jeden Kindes. Mit Sandkasten – im trockenen (wenns draußen mal regnet). Und Playmobil-Ritterburg. Und Playmobil-Krankenhaus. Und Kuschelecke mit Kuscheltieren und Decken und Kissen. Und Kaufmannsladen. Und ganz vielen Kisten mit Lego. Und Murmelbahnen. Und Spielen. Und sowieso und überhaupt.

Wir haben einen Garten. Der ist ziemlich groß, aber gut überschaubar. Mit einer Vogelnestschaukel. Und einem Klettergerüst. Und einem riesigen Sandkasten. Und Tischen, zum gemütlich draußen sitzen. Und einem riesigen Sonnenschirm. Und Platz für den Grill (den wir auch gerne nutzen).Und wenn man im Garten ums Haus geht, dann findet man noch die Tischtennisplatte. Und die selbstbepflanzten Beete.

Wir haben einen Kreativraum. Mit einem großen Tisch in der Mitte. Und der Möglichkeit zu töpfern, zu malen, mit Speckstein oder Holz zu arbeiten. Mit Spannrahmen, auf denen man Seidentücher aufspannen kann. Und vielen Materialien zum freien gestalten.

Wir haben auch einen Boxsack. Den man allerdings nur unter Aufsicht benutzen darf, damit sich niemand verletzt. Außer, man ist Therapeut, dann darf man auf die Aufsicht verzichten, aber dann ist man auch selber schuld, wenn sich der Boxsack wehrt.

Wir haben unsere Arzt-/ und Therapeutenzimmer. Da steht zwar überall ein Schreibtisch mit einem Computer drin, aber ansonsten sind unsere Zimmer sehr unterschiedlich. Und eigentlich alle freundlich eingerichtet, damit sich unsere Patienten in den Zimmern auch wohlfühlen. Aber am Zustand der Schreibtische merkt man schon, wer in welchem Zimmer ist. 😉

Wir haben zwei Schulräume. Für höchstens 3 Schüler. Und unsere Lehrerinnen sitzen auch nicht vor den Patienten, sondern eher mittendrin. Und ja, Unterricht bekommen unsere Patienten auch, ganz normal nach Lehrplan, nur nicht in allen Fächern. Und wenn sie an manchen Stellen weiter sind, oder an anderen Stellen mehr Hilfe brauchen, dann bekommen sie die auch.

Wir haben auch ein Aquarium. Das dürfen (und sollen) auch die Patienten versorgen – natürlich mit Hilfe der Mitarbeiter.

Bei uns ist es hell und freundlich. Und manchmal ein bißchen unaufgeräumt. Aber immer einladend.

Wir haben keine Gummizellen, keine dunklen Kämmerchen, keine Betten, auf denen Patienten fixiert werden. Unsere Türen sind offen.

Wenn wir Patienten im Vorgespräch die Tagesklinik zeigen, merkt man häufig, wie groß die Angst davor ist, ins Irrenhaus zu „müssen“. Und wenn wir mit der Besichtigung durch sind, dann merkt man manchen Kindern an, dass sie beginnen sich zu freuen und sich zu überlegen, was man bei uns wohl so alles machen kann. Und dann ist es plötzlich manchmal gar nicht mehr so schlimm, wenn man ins Irrenhaus geht.

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