7. September 2009
Auskotzen
Es gibt Tage, an denen man sich wünscht, besser nicht aufgestanden zu sein. Heute war einer davon. Ich hätte besser den Tag mit viel heißem Tee im Bett verbracht, dann wäre ich vielleicht einen Teil meiner Erkältung los und hätte mich nicht mit Lehrern rumschlagen müssen.
Die Lehrer, mit denen ich mich “rumschlage”, sind die Lehrer der Heimatschulen unserer Kiddies. Wir leben ja schließlich nicht im luftleeren Raum mit den Ulligen und befinden uns auch nicht im Tal der Ahnungslosen Glückseligen, sondern wir geben die Kinder ja auch an die Heimatschulen zurück.
Häufig haben wir es mit Lehrern von Sonder Förderschulen und Hauptschulen zu tun. Am häufigsten eigentlich mit Lehrern der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, also das was früher mal als Schule für “erziehungsschwierige” Kinder bekannt war oder mit Hauptschullehrern, die mittlerweile eigentlich den gleichen Job machen, gelegentlich auch mal mit Lehrern der Förderschule mit dem Schwerpunkt “Lernen” (also Klötzles-Schule), ganz selten mal mit Lehrern aus dem Bereich der Förderung geistig behinderter Kinder (also IQ unter Kellertreppe) und auch nicht wirklich häufig mit Lehrern aus dem gymnasialen Bereich. Am angenehmsten finde ich persönlich tatsächlich die Sonderschullehrer. Die wissen, dass ihre Kiddies schwierig sind, häufig Verhaltensauffälligkeiten vor allem im Sozialverhalten zeigen (auf gut Deutsch: die benehmen sich häufig wie offene Hose), haben aber gar nicht selten tatsächlich noch den Vorteil, dass die Klassen nicht ganz so groß sind. Die Hauptschullehrer tun mir leid. Die haben häufig eine ähnliche Klientel wie die Sonderschullehrer aus dem Bereich “E” oder “LB”, haben aber viel größere Klassen und müssen trotzdem damit klar kommen. Am unangenehmsten in unserem Bereich finde ich Gymnasiallehrer. Wenn sie denn überhaupt kommen, dann bekommen wir häufig zu hören, dass wirklich pfiffige Kinder ja eigentlich auf die “E”-Schulen gehören, weil sie in der Klasse für Unruhe sorgen. Dann erklärt man, tut und macht, versucht zu verdeutlichen, dass da teilweise ne ganze Menge hintersteckt, was mit 2-3 klärenden Gesprächen auch aus der Welt geschafft werden könnte und bekommt zu hören, dass es ja so anstrengend ist, sich mit 27 Schülern zu beschäftigen, da könne man eigentlich keine Rücksicht auf den Einzelnen nehmen. Nun ja….
Ich kann mich daran erinnern, dass auch ich keine ganz einfache Schülerin war. So mitten in der Pubertät war ich unmöglich, benahm mich wie offene Hose oder war zwar körperlich anwesend, aber mehr auch nicht. Wir waren 130 Leute im Jahrgang. Trotzdem, und obwohl ich nicht die Einzige war, bei der es Probleme gab, waren meine Lehrer für mich ansprechbar und wenns gar nicht ging, dann gabs tatäschlich auch mal ein Gespräch bei der Direktorin, allerdings nicht um zu sanktionieren, sondern um zu klären, ob es einen Hilfebedarf gab. Klar, das kann man sicher nicht bei jedem Schüler machen, aber es sind auch nicht alle Schüler sooooooooooo schwierig, dass man immer direkt die große Kelle rausholen muss, oder?
Liebe Lehrer, ich weiß, dass ihr einen anstrengenden Job macht, ich weiß auch, dass man Schule heute nicht mehr mit Schule von vor 20 Jahren vergleichen kann, aber wenn die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, dann gehen Schüler auch nicht mehr gern zur Schule, egal, wie pfiffig sie sind. Und die meisten von denen, die wir in Behandlung haben, freuen sich so unglaublich über positive Rückmeldungen, dass sie für die Lehrer, von denen sie gelobt werden, auch durchs Feuer gehen würden….
Ich habe fertig.
Petra sagte,
7. September 2009 um 23:09
Du hast fertig…. und sooooooo Recht!!! Danke! Du hast mir aus der Seele gesprochen! Wie war das mit Motivation und dann gar “positive”????
Liebe solidarische Grüße Petra
kaeks sagte,
9. September 2009 um 13:49
Hey, und was ist mit den “real”(hust)schullehrern?^^
psychodoctrix sagte,
11. September 2009 um 18:37
*lach*… komischerweise sind Realschullehrer bei uns gar nicht so häufig mit im Gespräch… irgendwie haben wir es viel mit Extremen zu tun, momentan erlebe ich Realschullehrer immer nur, wenn Schüler umgeschult werden sollen (v.a. auf die Haupt- oder E-Schulen)….
Sylvia sagte,
28. Oktober 2009 um 19:18
Hallo,
ich bin “neu” hier, aber dieser Blog kommt zu meinen Favoriten
Ich habe ja als Mutter zusammen mit den Fachleuten mit Grundschullehrern und Gymnasiallehrern zu tun. Daher unterschreibe ich das hier voll und ganz und überhaupt !
Die Klassenlehrerin meiner Mittleren aber ist eine Ausnahme, die ist sooooo toll, aber wen wundert’s – ihre Kinder sind auch ein bißchen “anders”.
Grüßle, Sylvia